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Kesslergrube trifft auf Ambition: Eine der ehrgeizigsten Sanierungen Deutschlands

Ambitionierte Sanierung statt “aus den Augen, aus dem Sinn”: Mit der HPC AG als Partner saniert Roche gründlich und mit modernsten Mitteln eine Altablagerung, die auch mit Abfällen aus der Chemie- und Pharmaproduktion aufgefüllt ist. Im Durchschnitt sind täglich 600 Tonnen auszubaggern, ein Aushub, der insgesamt fast 14.000 Container füllt, auf engstem Raum, bis 13 Meter Tiefe, direkt neben einem Fluss: Die HPC AG zeigt als Generalplaner und Bauüberwacher, dass das funktioniert.

Beschaulich fließt der Rhein in Grenzach-Wyhlen an dem Gelände der Kesslergrube vorbei. Bäume und Sträucher verbargen lange Zeit die früheren Kiesgruben, die als Mülldeponien genutzt wurden. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg begann man dort Kies zu fördern. Seit den 1950er-Jahren bis Mitte der 1970er-Jahre wurden die Gruben wieder verfüllt. Unter dem Füllmaterial waren nicht nur Bauschutt, Haus- und Gewerbemüll, sondern auch Abfälle der Chemie- und Pharmaindustrie. Genau hier übernahm die HPC AG die Planung und Leitung einer der größten und ehrgeizigsten Sanierungen, die es bisher in Deutschland gab. Zwar fanden sich keine Schadstoffe im Trinkwasser, durchaus aber im Grundwasserabstrom. Außerdem galt es, langfristige Gefahren auszuschließen, die gerade durch den benachbarten Rhein erheblich sein könnten.

Gute Gründe, um die Kesslergrube zu sanieren. Zuständig sind für jeweils getrennte Teile der Grube der Chemiekonzern BASF sowie das Pharma- und Diagnostikunternehmen Roche Pharma AG mit seinem Mutterkonzern F. Hoffmann-La Roche AG (Roche) im benachbarten Basel (CH). Die beiden Unternehmen gehen dabei unterschiedliche Wege: Während BASF ihren Teil der Grube einkapseln will, hebt Roche die Deponie mit etwa 365.000 Tonnen vollständig aus – und lässt die Giftstoffe im Aushub thermisch unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen zerstören. So unterschiedlich sie auch sind: Beide Konzepte werden nach deutschem Recht einer Sanierung gerecht. Das Schweizer Gesetz ist strenger. Diesen Maßstab legt Roche an, um ihren eigenen Ansprüchen zu entsprechen. Zur Nachhaltigkeitsphilosophie von Roche gehört nämlich auch das Ziel, Altlasten möglichst innerhalb einer Generation zu sanieren – in Grenzach-Wyhlen sollen nicht einmal zehn Jahre genügen.

Die HPC AG übernahm für Roche die Gefährdungsabschätzung sowie die Genehmigungs- und Vergabeplanung bei der ambitionierten Sanierung; aktuell ist die Hauptaufgabe die Bauoberleitung.

Das Team wurde von Thomas Osberghaus geleitet, gefolgt von Arno Knöchel, der zuständig ist für die Geotechnik und Bauablaufplanung. Beteiligt waren und sind außerdem Marcus Mumbach als Bauoberleitung, Soledad Montesinos in der Qualitätssicherung, Bernd Maier in Sachen Arbeitsschutz, Dr. Adalbert Huss und Dr. Stefan Hunger als Experten in der Hydrogeologie und Hydrochemie sowie weitere Ingenieure und Naturwissenschaftler der HPC AG.

Einige dicke Bretter zu bohren

Die Planung stand vor vielerlei Herausforderungen: Der Aushub umfasste eine Fläche von 14.000 Quadratmetern bei einer Tiefe von 13 Metern unmittelbar am Rhein sowie direkt angrenzend an zwei Kläranlagen. Dafür musste eine statisch und hydraulisch abgesicherte Lösung entwickelt werden. Zudem war es alles andere als leicht, die Baugrube trocken zu halten, da das Grundwasser schon in sechs Metern Tiefe ansteht und bis zur 13 Meter tiefen Baugrubensohle um über 7 Meter abgesenkt werden musste. Dabei musste der verkarstete, stark wasserdurchlässige Muschelkalk beherrscht werden, der das Risiko birgt, dass der Grundwasserschwall von unten über die Aushubsohle in die Baugrube drängt.

Nach umfangreichen geotechnischen und hydrogeologischen Expertisen wurde die Lösung in Form einer überschnittenen Bohrpfahlwand gefunden, die bis 25 Meter Tiefe in den Muschelkalk einbindet. Dort erreichte die Bohrpfahlwand eine hydraulisch dichte Schicht, so dass sowohl das horizontale als auch das vertikal von unten zufließende Grundwasser abgesperrt werden konnte. Als weitere Schwierigkeit waren die Platzverhältnisse auf dem Baufeld extrem eng.

Es gab keine Möglichkeit, Aushubmaterial aufzuhalden, zu beproben und dann den Laborergebnissen entsprechend zu entscheiden, in welche thermische Anlage das Material gebracht wird. Deshalb war es notwendig, das gesamte Deponat schon vor dem Aushub über rund 160 Bohrungen und Tausende von Einzelanalysen in einem kleinteiligen Raster vorzudeklarieren. Darüber hinaus musste das Selbstentzündungspotenzial des Sonderabfalls einbezogen werden. Chemische Reaktionen könnten beim Kontakt mit Luftsauerstoff zu Bränden oder sogar Verpuffungen oder Explosionen führen, weshalb hierfür besondere Untersuchungen und Schutzvorkehrungen nötig waren. Aufgrund der besonders hohen Anforderungen von Roche an den Arbeits-, Immissions- und Nachbarschaftsschutz wurde vorgesorgt: Für den Aushub wurde über die Grundfläche von zwei Fußballfeldern eine luftdichte und schallgedämmte Einhausung mit permanenter Unterdruckhaltung und Abluftreinigung konzipiert.

Geotechnik, Hydrogeologie, Abfallmanagement, Arbeitssicherheit und Baulogistik, um nur einige der vielen Themen zu nennen: All das konnte von HPC mit einem interdisziplinäres Team aus Ingenieuren und Naturwissenschaftlern bewältigt werden.

Schritt für Schritt

Die komplexe Sanierung begann 2014. HPC hat die Planung und Ausschreibung der verschiedenen Projektphasen sowie anschließend die Bauleitung und -überwachung übernommen. Um das Sanierungsgebiet zu erreichen, wurde zu Beginn die angrenzende Straße verlegt und ein benachbartes Betriebsgebäude umgebaut. Am Rhein wurde ein 130 Meter langer temporärer Schiffsanleger gebaut, um einen umwelt- und anwohnerschonenden Abtransport des Aushubs in gasdichten und havariesicheren Containern über den Wasserweg zu ermöglichen. Somit konnten Tausende Lkw-Transporte durch die Gemeinde Grenzach-Wyhlen vermieden werden. Notwendig war dieser Schiffsanleger auch, um der immerhin 1.100 Quadratmeter großen Reinigungsanlage für das Grundwasser den entsprechenden Platz zu bieten. Außerdem wurde nicht nur ein Containerdorf für die Sanierungsfirmen, sondern auch ein Besucherzentrum errichtet.

Bevor die Sanierungsfirmen begannen, die ersten Erdmassen auszubaggern, wurden 1.700 Abfall- und Bodenproben ausgewertet und in 100 Kubikmeter-Quadranten – je nach Art und Höhe der Schadstoffbelastung – den unterschiedlichen thermischen Behandlungsanlagen zugeteilt. Parallel wurde aus 888 Pfählen jeweils mit einem Durchmesser von 1,2 Metern eine überschnittene Bohrpfahlwand errichtet. Sie dient nicht nur zur statischen Absicherung der vertikalen Grubenwände und zur Absperrung der Baugrube gegen Grundwasser, sondern auch als Fundament für die mächtige Einhausung des gesamten Aushub- und Logistikbereichs in Form einer dreischiffigen Halle.

Komplettbeseitigung

Die 14.000 Quadratmeter große Aushubfläche wird nach Unterteilung in drei Segmente mithilfe von Pumpen trocken gehalten. Das abgepumpte kontaminierte Wasser wird anschließend direkt vor Ort gereinigt und in den Rhein geleitet.
Das HPC-Team arbeitet jedoch nicht nur mit Erde und Wasser, sondern auch mit Luft. Eine große Abluftreinigungsanlage sorgt in der Einhausung für einen konstanten Unterdruck, damit kein Schadstoffpartikel in die Umwelt gelangt. Etwa 140.000 Kubikmeter Luft saugt die Anlage pro Stunde an. Gereinigt wird diese im Anschluss durch spezielle Aktivkohlefilter.
Im Jahr 2017 begannen die Aushubarbeiten. Insgesamt ca. 365.000 Tonnen Abfälle werden in die gasdichten und havariesicheren Spezialcontainer verfüllt. Zwar wäre es nach deutschem Abfallrecht möglich, den Aushub teilweise auf eine Deponie zu fahren.

Roche entschied sich dennoch für die 100-prozentige thermische Behandlung, um sämtliche organischen Schadstoffe auf immer zu beseitigen. Mit Schiffen werden die Container zu Verladeterminals transportiert. Von dort geht ihre Reise weiter mit der Bahn zu deutschen und niederländischen Spezialanlagen.
Nach dem Aushub und nach der Bestätigung der Altlastenfreiheit durch HPC wird die Baugrube sukzessive mit unbelastetem Bodenmaterial aus regionalen Bauprojekten wiederverfüllt. Die Bohrpfahlwand wird nach der Sanierung im Untergrund verbleiben, wird aber an mehreren Stellen mit Durchlässen versehen, damit sich wieder ein natürlicher Grundwasserfluss einstellen kann. Die Schiffsanlegestelle muss zurückgebaut und das Rheinufer anschließend wieder ökologisch hochwertig renaturiert werden.

Das Miteinander ist der Schlüssel

Schon aus der Schule kennen wir alle den Unterschied zwischen notwendigen und hinreichenden Bedingungen. Erfahrene Sachverständige und Planer sowie ausreichende Ressourcen sind notwendig, aber nicht hinreichend. Ein derartiges Projekt kann nur erfolgreich werden, wenn sich ein gutes Miteinander einstellt. Dies betrifft sowohl das eigene Team als auch die Haltung, welche von der Bauherrschaft im Verhältnis zu den Auftragnehmern gelebt wird.

Das HPC-Team erfährt tagtäglich, dass Roche eine bewusst wertschätzende Kommunikation im Umgang mit Partnern und Lieferanten pflegt. Professionalität, klare Verantwortungen und sehr hohe Qualitäts- und Terminanforderungen einerseits und ein respektvolles persönliches Miteinander anderseits sind keine Widersprüche.

Für diese vertrauensvolle und kollegiale Zusammenarbeit ist HPC gegenüber Roche dankbar.

Diese HPC Erfolgsgeschichte kann folgenden Bereichen zugeordnet werden

Flächenrecycling
Umweltberatung
Infrastrukturplanung